Erinnerst Du Dich?

Erinnerst Du Dich an Deine Geburt?
Als Kind an die Monster unter dem Bett?
An Deinen ersten Streit in der Schule mit Deiner/m besten FreundIn?

Nein, sagt Dein Kopf.
Ja, sagen die Faszien.

Faszien sind ein weitverzweigtes Netz aus straffem Bindegewebe, das unseren gesamten Körper durchzieht. Sie umhüllen Muskeln, Organe, Knochen, Gelenke und Zellen (!), wie eine elastische Hülle und sorgen dafür, dass alles miteinander in Kontakt bleibt. Sie stehen in engem Austausch mit dem Nervensystem, denn sie sind reich an Sinnesrezeptoren und Nervenenden und reagieren darum auch sensibel auf sämtliche Reize, sei es körperlich - aber auch seelisch.

Unverarbeitete Erlebnisse können Spuren hinterlassen, denn unser Gewebe zieht sich schützend zusammen, verdichtet sich, hält fest – und dies manchmal gar über Jahre. Und dann - plop - wie aus dem Nichts heraus kullern die Tränen während einer Asana, in einem Flow oder wenn Du ein gutes Hands-On bekommst. Gefühle tauchen auf, die nichts mit dem aktuellen Moment zu tun haben.

"Ist das normal?" hat mich kürzlich jemand beim Verlassen des Studios gefragt. Ja - denn durch das Halten der Asanas und/oder die Flows, verbunden mit der Atempraxis,  werden unsere Faszien sanft mobilisiert und "Altes", "Gestautes" kann gelöst und wortwörtlich "in den Flow" gebracht werden.

Unser Alltagsbewusstsein würde nun sagen: "Nicht Hinhören! Verdrängen!" Die Yogapraxis jedoch - und meines Erachtens die ganze aktuelle Zeit in der wir Mut & Zuversicht entwickeln und pflegen dürfen - lädt uns ein couragiert Hinzuhören, achtsam Zuzulassen und geschickt zu handeln.

Manchmal sind es nämlich auch Tränen der Entlastung, der Erleichterung, der Befreiung - der Freude.